Marcel Schmuki







Katzenjammer

Sie hat mich verlassen
Gestern kurz nach acht.
Sie kam nicht mehr zurück
Ich wartete die ganze Nacht.
Und als es schliesslich tagte,
Vermisst ich sie noch mehr
Denn auch beim Frühstückstisch
Blieb ihr Platz ganz leer.

Wie kann sie mir das antun
Sie hat's doch hier so nett.
Ohne sie fehlt meinem Leben Sinn
Und mir ist so kalt im Bett.
Ach käm sie jetzt zur Tür herein
Ich würd nicht fragen, wo sie war
Ich nähm sie ohne Wenn zurück
Und ohne Aber – ist ja klar!

Wie oft hat sie mit mir
Schon dieses Spiel gespielt
Sie, die sich so gewissenlos
Aus meinem Leben stiehlt.
Ich bin ja wirklich lieb zu ihr
Ich verwöhn sie, wo ich kann
Sie geniesst verträumt die Zeit mit mir
Und verschwindet dann und wann.

Inzwischen ist es Mittag
Sie ist noch immer nicht zurück
Und einmal mehr begreif ich
So schnell schwindet das Glück
Es ist aus – mit einem Wort
Ich werd sie niemals wiedersehn
Warum nur ging sie von hier fort
Wir hatten's doch so schön!

Da endlich gegen Abend
Ich hör was an der Tür
Schmutzig und das Haar zerzaust
Steht sie da vor mir.
Und während ich ganz fassungslos
Meinen Augen noch kaum trau'
Schleicht sie sich gleich zur Küche
Blickt mich an und sagt nur: „Miau!“