Marcel Schmuki






Zweinsamkeit

Sie hat sich an mich ran gemacht
Zuerst ganz leise und ganz sacht
Doch schon bald da wollt' sie mich
Mit Haut und Haar ganz für sich
Sie ist mir auf die Pelle gerückt
Und war vor Glück so ganz entzückt
Eines Morgens hielt ich's nicht mehr aus
Und ich erschoss sie vor meinem Haus.

Ich hab die Einsamkeit erschossen
Sie ging mir so auf den Geist
Ich hab die Einsamkeit erschossen
Sie war ein Aas und so dreist
Jahrein und jahraus
Hing sie wie eine Klette an mir
Nun ist sie tot
Recht geschieht ihr!

Kurz darauf machte ich mich bereit
Für ein Leben mit der Zweisamkeit
Sie quartierte sich bei mir ein
Ein Idyll bei Kamin und Kerzenschein
Sonntags gingen wir spaziern
Und wir konnten ganz gut diskutiern
Es war wirklich alles sehr nett
Bis ich sie erschoss in unserm Bett

Ich hab die Zweisamkeit erschossen
Sie ging mir so auf den Geist
Ich hab die Zweisamkeit erschossen
Sie war klebrig wie Vanilleeis
Jahrein und jahraus
Hing sie wie eine Klette an mir
Nun ist sie tot
Recht geschieht ihr!

Ich roch die Freiheit doch nicht lang
Da war ein Arm, der mich umschlang
Wie ein Phantom, das aufersteht
Und ein Duft nach Gruft, der ihn umweht.
Langsam dreht' ich mich zu ihr um
Und sah den Blick ganz starr und stumm
Die Einsamkeit – sie lächelte bloss
Und sagte:
So leicht, mein Schatz, wirst du mich nicht los!